Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Tontechnik bei Linda Hesse

Kompromisslos flexibel

Zum Auftakt der 2015er-Tour von Linda Hesse berichten wir über die Tontechnik im Night Club vom Bayerischen Hof in München. Wir sprachen mit Tourleiter, Tastenkünstler und Produzent André Franke, FoH-Techniker Volkmar Ebell und Monitortechniker Karim Hubatsch über ihre Arbeit.

Linda Hesse im Night Club des Bayerischen Hofs in München

„In München steht ein ...“ Bayerischer Hof und der hat einen Night Club. Clubs haben bekanntermaßen eine ganz eigene Magie, wenn es um Konzerte geht. Egal welcher Status ein Musiker hat, egal wie bekannt er ist: So nahe ist man seinen Fans in der Regel nirgendwo anders. Diese Nähe setzt aber voraus, dass man echt ist, dass man wirklich was kann. Wir sind unterwegs zur aufstrebenden Sängerin Linda Hesse um ihrem Team etwas über die Schulter zu schauen was es deren Tontechnik angeht.

Die aus Halberstadt stammende Linda Hesse wird seit geraumer Zeit hoch gehandelt. Es gibt Vergleiche zur großen Helene Fischer und die Prognosen sind äußerst gut was es die Zukunft um Linda angeht. 2004 gab es ein erstes öffentliches Lebenszeichen bei der Sat1-Castingshow „Star Search“.

Doch interessanter um Linda Hesse wird es erst einige Jahre später ab 2011. Sie fand damals ihr Management und ihren Produzenten André Franke, mit dem sie an ihrem ersten Album „Punktgenaue Landung“ arbeitete, welches im Frühjahr 2013 erschien. Ca. drei Monate zuvor veröffentlichte sie ihre Debütsingle „Ich bin ja kein Mann“ und konnte für Aufmerksamkeit sorgen. Irgendwo zwischen Pop und Schlager mit einer Prise Rock zeigt sich die musikalische Vielfalt der Sängerin mit deutschen Texten. Sie selbst mag den Ausdruck „Neue deutsche Mucke“.

Mittlerweile hat sie ihr zweites Album mit dem Titel „Hör auf dein Herz“ veröffentlicht und tourt gerade zum zweiten Mal durch Deutschland. Auch wenn sie im Genre Schlager gesehen wird kommt sie erfrischend anders rüber. Ihre Texte sind nicht unbedingt Schlager-typisch aber inhaltlich auch nicht weit davon entfernt. Erfrischend anders ist auch die Einstellung zur Musik. Sie und ihr Team spielen live! Das mag für die meisten unter uns gar nicht außergewöhnlich sein aber insbesondere im Schlager wird verdächtig oft auf die Konserve zurückgegriffen. Kurzum: Im Night Club kommt nichts vom Band oder der HDD.

Interview

Tourleiter, Produzent und Keyboarder André Franke (links), FoH-Techniker Volkmar Ebell (Mitte) & Monitortechniker Karim Hubatsch (rechts)

Tourleiter, Produzent und Keyboarder André Franke (links), FoH-Techniker Volkmar Ebell (Mitte) & Monitortechniker Karim Hubatsch (rechts)

 

Beim nachmittäglichen Eintreffen im Night Club des Bayerischen Hofs traf ich eine äußerst entspannte (Ton-)Crew an, die sich ausreichend Zeit für ein Interview nahm. Für ein Gespräch standen zur Verfügung: Tourleiter, Produzent und Tastenkünstler André Franke, der FoH-Techniker Volkmar Ebell und Monitormann Karim Hubatsch. Das Gespräch war ein thematisch interessanter Mix aus tontechnischer Umsetzung und Vorbereitung der Tour.

Markus Beug-Rapp (On Axis): Volkmar, was ist bei Linda Hesse deine Aufgabe?

Volkmar Ebell (FoH): Ich bin seit vier Jahren – also seit Beginn – mit Linda Hesse unterwegs. Wir haben ein schönes Konzept entwickelt, wie wir das Ganze realisieren. Mit Sennheiser haben wir einen hervorragenden Partner bekommen, der uns bei unserer Arbeit ganz gut unterstützt.

On Axis: Ist der Auftakt der Tour hier im Club der Durchschnitt was es Größenverhältnisse angeht?

Volkmar (FoH): Nein, es geht auch größer. Der Club hier ist einer der kleinsten Läden.

André Franke (Tourleiter): Wir haben hier an Instrumenten und Backline die platzsparendste Variante aufgebaut. Wenig Licht und Ton aber viel Musik (lacht).

On Axis: Wie organisiert ihr es, wenn ihr auf verschieden großen Bühnen arbeitet?

Volkmar (FoH): Im Vorfeld wird sehr viel mit den Veranstaltern gesprochen und abgeklärt was schon vorhanden ist und was wir nutzen können. Es wird so geplant, dass wir für jede Location das entsprechende Material zur Verfügung haben. Im Tonbereich haben wir dann das Line Array doppelt bzw. sogar dreifach – je nachdem wie groß die Halle ist.

On Axis: Wie lange im Vorfeld habt ihr da geplant?

Volkmar (FoH): Ein viertel Jahr haben wir uns für die Planung der Tontechnik Zeit genommen.

On Axis: Schafft ihr euch das benötigte Equipment speziell für die Tour an oder arbeitet ihr mit einem Dienstleister zusammen?

Volkmar (FoH): Wir arbeiten mit dem Dienstleister Black Box Music zusammen. Die kümmern sich um sehr vieles und unterstützen uns. Hier wird im Vorfeld abgesprochen welches Material von uns kommt und welches noch benötigt wird. Wir haben die komplette Backline und haben Pulte sowie Mikrofone. Den Rest was es PA und Licht angeht sprechen wir dann ab.

On Axis: Insbesondere hier im Club hat man ja nicht die typische Beschallungssituation sondern ein verwinkelter Raum der mit herkömmlichen Setups nur schwer homogen zu beschallen ist.

Eines der beiden L-Acoustics-Stacks mit vier Kiva-Modulen und einem SB28- Subwoofer
Eines der beiden L-Acoustics-Stacks mit vier Kiva-Modulen und einem SB28- Subwoofer

Volkmar (FoH): Hier ist die Herausforderung in der Mitte direkt vor der Bühne, in der die Stimme verschwindet. Damit wir das hinbekommen haben wir neben den zwei L-Acoustics-Stacks – bestückt mit je vier Kiva-Modulen und einem SB28 – noch zwei kleine 5XT-Coaxial-Lautsprecher auch von L-Acoustics direkt an der Bühnenkante installiert.

André (Tourleiter): Wir sind überrascht, wie gut das hier klingt. Es gibt nur sehr wenige Löcher oder Auslöschungen und insgesamt klingt es sehr ausgewogen. Lediglich der angesprochene Nahfeldbereich ist hier etwas schwächer gewesen, was wir aber sehr gut auffangen konnten.

Volkmar (FoH): Für diesen Aufbau und für diese Größe ist das für meine Begriffe optimal und kann man kaum besser machen – es sei denn man betreibt um ein Vielfaches mehr Aufwand. Vom Logischen her ist es das Beste was man hier drinnen machen kann.

On Axis: Kannst du das präzisieren?

Volkmar (FoH): Das Line Array ist jetzt so installiert, dass es unten leiser und oben etwas lauter ist. Die machen 110° – und das reicht aus um in die Breite zu kommen. Aber nach vorne reicht das halt nicht. Deshalb haben wir nach vorne und in die Mitte (Anm. der Redaktion: die kleinen Lautsprecher auf der Bühne) die Stimme verstärkt.

On Axis: Wie muss man da vorgehen, da ja insbesondere hier im Club recht wenig Raumhall vorhanden ist?

Volkmar (FoH): Na da muss man dann halt viel Hall auf die Stimme machen (lacht). Neee, der Raum klingt meiner Meinung nach sehr gut. Hier gibt es keine stehenden Wellen, da es kaum parallele Wände gibt. Da wird der Schall sehr günstig gebrochen. Da dies die erste Show der Tour ist, können wir noch nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Wir sind aber überzeugt, dass wir uns gut vorbereitet haben. Vermutlich werden wir jedoch das eine oder andere Pult-Setup noch nachjustieren.

André (Tourleiter): Wobei wir sagen müssen, dass der Fokus bei dieser Show auf dem musikalischen Part liegt. Das ist das Konzept dahinter. Wir fangen klein an und steigern uns dann. Morgen im Stuttgarter Theaterhaus haben wir die erste große Bühne der Tour und arbeiten dann mit allen Elementen und Risern aus den Bereichen Licht und Ton. Heute ist das alles sehr improvisiert. Aber genau das macht unsere Arbeitsweise aus. Wir sind was es die Konzeption der Show und das Musikalische anbelangt auf größtmögliche Flexibilität ausgerichtet. Wir machen ja keine „Madonna“-Show, wo du auf irgendwelche Klicks oder Frames arbeiten musst; hier steht die Musik im Vordergrund. Und Musik kann man auch mit drei Gitarren oder einer Cajon spielen. Hätten wir auf der Tour eine noch kleinere Bühne, auf der Mann eben nur mit drei Gitarren und Cajon spielen kann, dann würden wir das auch realisieren können. Das war unser Verständnis von Anfang an. Wir haben es so geplant, dass wir die Maximalvariante fahren könnten aber auch jederzeit Downsizing betreiben können. Wir haben zum Beispiel auch ein 1608er-Pult von Mackie dabei und scheuen uns auch nicht dieses einzusetzen.

Karim Hubatsch (Monitor): Es gab sogar Überlegungen, das schon heute einzusetzen.

André (Tourleiter): Genau das macht es bei uns aus. Die Leute die mit uns arbeiten wissen, dass bei uns Flexibilität ganz wichtig ist. Und was es vermeintliche Defizite angeht, das gleichen wir mit Kreativität und Musikalität aus. Linda Hesse steht bei uns im Fokus – und nicht etwa ein großes Ballett, eine LED-Wand oder Videotechnik. Es geht um die Musik. Wie lange das so sein wird hängt natürlich auch noch von anderen Dingen ab: Wenn du zum Beispiel in der O2 World spielst dann brauchst du mit Sicherheit mehr Material und Technik, damit das Ganze nicht zu verloren wirkt. Als ich hier in den Club reingekommen bin, dachte ich aber als Erstes: „Geil, schöne kleine Bühne ... das kriegen wir hin!“

On Axis: Wie viele Leute stehen später auf der Bühne?

André (Tourleiter): Bei einer Sechs-Mann-Band plus Sängerin wird das später ganz schön kuschelig. Wir werden es uns sogar noch kuscheliger machen, mit einer Unplugged-Runde inklusive Barhockern auf der Bühne. Aber genau das macht den Charme aus.

On Axis: Wie schwierig ist es hier den Monitorsound machen, wenn alles so nah beieinander steht?

Karim (Monitor): Wir nutzen hier alle In Ear Monitoring (IEM), was es relativ konstant macht. Wir haben das ja auch in Berlin geprobt. In Berlin waren wir halt in einer Halle und diesen Unterschied hört man selbstverständlich sehr deutlich. Wenn ich mir jetzt vorstellen würde mit Wedges zu hantieren, würde es das Ganze um einiges schwieriger machen und die Bühne wäre noch um ein Drittel kleiner als jetzt. Die IEM-Lösung kommt letztendlich auch dem Sound zugute, da ja doch einige Mikrofone am Start sind. Obwohl wir das Schlagzeug und die Gitarrenamps haben, ist die Bühnenlautstärke erfreulich niedrig. Das kommt in erster Linie dem Frontsound zugute. Einer der größten Vorteile ist, dass wir nicht mit Feedbacks kämpfen müssen – zumindest ich nicht. Die Drums halten wir lautstärketechnisch über die Plexiglas-Paneele im Zaun, sodass sie nicht zu sehr in die Gesangsmikros einsprechen.

On Axis: Welche Signale werden in welcher Stärke auf die PA gegeben? Insbesondere die Snare und die Becken stelle ich mir sehr laut vor und wird vermutlich kaum übertragen.

Volkmar (FoH): Neee, die ist noch volle Kanne drin (lacht). Wir haben ja Szenen im Pult angelegt die ich jetzt für eine Bühne nicht groß abändere. Wir hören uns das an und passen das dann dem Saalsound an bzw. regeln das über die Lautstärke des Gesamtmixes.

Karim (Monitor): Man muss auch dazu sagen, dass das hier, bedingt durch die Holzdecke, ein sehr trockener Raum ist, da ist die Snare gar nicht so laut wie man das erwarten würde. Sie knallt zwar, reflektiert aber kaum. Da gibt es ganz andere Räume, wo man richtig kämpfen muss. Insbesondere das IEM spielt uns da sehr gut in die Karten. Auch für die Musiker ist das eine hervorragende Voraussetzung, da man täglich einen konstanten Sound hat. Bei den Gitarristen ist es manchmal schon schwierig die zu überzeugen, da die gerne vor ihrem Amp stehen und den Sound auch durch den erleben wollen.

Volkmar (FoH): Der Bassist hat mich auch zweimal gefragt, ob es richtig ist, dass er ohne Bassamp spielt. Er hat einen Preamp in seinem Rack und davon (aus dem D.I.-Ausgang) geben wir das Signal dann direkt ins Pult. Die Gitarristen verwenden insgesamt zwei Verstärker, die mit Mikrofonen abgenommen werden. Einer der Verstärker steht hinter dem Vorhang und der andere auf der Bühne – von dem Line Array etwas versteckt. Der Marshall hinter dem Vorhang streut eigentlich gar nicht in die Mikros ein und der zweite Marshall hat eine angenehme Lautstärke, die auch kaum zur Geltung kommt.

Karim (Monitor): Normalerweise würde der vordere Amp auch hinten stehen, aber da während des Gigs noch daran geregelt wird, muss er vorne bleiben.

Volkmar (FoH): Der wird aber im Verlauf der Tour auch von der Bühne verschwinden. Das ist heute auch ein Kompromiss, da der Platz doch sehr gering ist.

On Axis: Wie viele Kanäle verwaltet ihr insgesamt?

Volkmar (FoH): Wir haben 37 Kanäle auf dem Pult belegt.

Karim (Monitor): Wir haben sieben In-Ear-Strecken wobei der Schlagzeuger und André an den Keyboards mit einem verkabelten Setup arbeiten. Parallel hat André noch ein Beltpack, falls er mit dem Akkordeon auf die Bühnenmitte kommen will.

Volkmar (FoH): Auf großen Bühnen geht André in der Regel mit dem Akkordeon auf der Bühne umher.

Karim (Monitor): Also insgesamt verwalte ich sieben Mixe und einen Cue zum abhören.

On Axis: Welches Material kommt jetzt genau zum Einsatz?

Karim (Monitor): Größtenteils werden Mikros von Sennheiser eingesetzt. Wenige Ausnahmen bilden das Beta57 von Shure an der Snare sowie das SM57 am Gitarrenamp. Zudem haben wir noch zwei Grenzflächen von Shure. Aber der Rest ist Sennheiser. Für die Funkmikros kommen 1G8-Strecken von Sennheiser zum Einsatz. Das läuft sehr gut. Hier hat uns Thomas Holz von Sennheiser sehr gut beraten. Die Empfehlung für das Equipment gab er, weil sich in diesem Frequenzband sehr wenige tummeln und Störungen nicht zu befürchten sind. Wir können das bisher nur unterstreichen, da wir nur gute Erfahrungen – insbesondere was es die Reichweite anbelangt – damit gesammelt haben. Im Vergleich zu den herkömmlichen Funksystemen konnte im Vergleich kein Nachteil festgestellt werden. Die positiven Testergebnisse waren nicht nur auf die Reichweite beschränkt. Der gesamte Eindruck war äußerst positiv, bedingt durch die Tatsache, dass das Netz weniger ausgelastet ist. Viele professionelle Verleiher und öffentlich rechtliche Rundfunkanstalten sind noch mit den klassischen Systemen am Start und halten daher meiner Meinung nach das Spektrum der 1G8-Systeme sauber.

Insgesamt werden fürs IEM sieben ew-300-Strecken von Sennheiser eingesetzt
Insgesamt werden fürs IEM sieben ew-300-Strecken von Sennheiser eingesetzt

Beim IEM fahren wir mit Sennheiser ew 300. Da sind wir im E-Band – in der sogenannten Mittenlücke – unterwegs. Die anderen E-Band-Frequenzen neben der Mittenlücke sind ja dem LTE-Netz zum Opfer gefallen. Aber auch das funktioniert völlig unproblematisch. Anfangs haben wir uns überlegt ins C-Band zu wechseln wovon uns aber Thomas Holz abgeraten hat, da das C-Band wohl zukünftig wegfallen wird. Was bleiben wird ist technisch bedingt die Mittenlücke.

On Axis: Wie lange setzt ihr das Equipment schon ein?

Karim (Monitor): Seit ca. 2,5 Jahren. Das wurde natürlich nicht auf einmal angeschafft, sondern Stück für Stück aufgestockt.

On Axis: Wie ergänzt ihr euch zwischen FoH und Monitoring?

Karim (Monitor): Wir verwenden beide Midas-Pulte mit einer Stagebox und betreiben sozusagen Gain-Sharing. Alle Signale laufen zuerst ins Monitorpult und werden dann an Volkmar ins FoH-Pult geleitet. Wir haben eine schöne Talkback-Schaltung gebaut, sodass wir uns immer hören.

On Axis: Habt ihr euch bei der Tourvorbereitung eher auf Hallen eingestellt?

Volkmar (FoH): Neee, wir haben uns nicht ausschließlich auf Hallen eingestellt, auch wenn wir in einer geprobt haben. Damit mussten wir leben und das war auch ok. Wir haben ja neben der Halle auch noch zwei Tage im kleineren Proberaum geprobt wobei der Raum tatsächlich größer war als der Club hier.

Karim (Monitor): Der hauptsächliche Grund für die Proben in der Halle war, dass wir das Bühnensetup einstellen konnten und Stefan das Licht programmieren konnte. Außerdem haben wir da auch relevante Abläufe geprobt, wo zum Beispiel welcher Künstler bei welchem Song steht oder wo Auf- und Abgänge sind.

On Axis: Wie kommt ihr zu dem angestrebten Sound, ist da Linda aktiv involviert?

Volkmar: Wir machen in erster Linie Vorschläge und warten dann ab, ob sie damit zufrieden ist? Bei diesem Prozess werden dann auch Entscheidungen getroffen, welche Preamps oder welche Kompressoren eingesetzt werden.

Karim (Monitor): Das läuft alles in allem sehr demokratisch ab. Letztendlich liegt die Aufgabe – was es das Monitoring angeht – darin, für alle einen guten Mix zu erstellen. Zunächst mal erstelle ich einen Mix so, dass er für mich passt und danach geht es ans Feintuning mit dem jeweiligen Künstler. Aber auch das läuft alles sehr entspannt, da ich die Leute ja kenne und weiß, auf was sie Wert legen.

Volkmar (FoH): Wir haben auch alle Freiheiten und können wirklich sehr vieles ausprobieren. Und wenn es sich in eine falsche Richtung entwickelt, wird halt ein neuer Weg eingeschlagen bzw. wieder zurückgegangen. Da ist einem auch keiner böse oder so. Für uns ist es wichtig, dass letztendlich alle zufrieden sind.

On Axis: Gibt es abschließend noch Besonderheiten, auf die ihr eingehen wollt?

André (Tourleiter): Für mich ist die Besonderheit, dass wir von Anfang an eine große Kontinuität reinbringen wollten. Das zeigt sich unter anderem an den getätigten Investments aber auch an den Personen die dazu gehören. Wir werden nicht für jede Tour eine neue Band oder neues Personal casten. Wir versuchen da etwas Langfristiges aufzubauen. Es ist nicht so, wie bei vielen anderen Tourneen, dass man mit einer neuen Crew arbeitet. Uns ist es wichtig, dass wir die Erfahrungen der vergangen Tour in die neue mit einfließen lassen. Nach meiner Erfahrung gibt es das heutzutage nur noch sehr selten. Ich finde ein beständiges Team zu haben aber eine sehr gute Tradition. Man sieht das ja vereinzelt bei Bands wie „Die toten Hosen“ oder bei Künstlern wie „Udo Lindenberg“ und früher auch „Udo Jürgens“. Das sind gewachsene Projekte, die eine ganz eigene Kraft und Energie mit sich bringen. Da besteht dann bei allen eine hohe Identifikation mit dem Projekt. So hat jeder ein Stück weit das Gefühl sein eigenes Ding anzuschieben. Das macht es meines Erachtens so besonders und überhaupt erst möglich schon nach der zweiten Platte eine zweite Tour zu realisieren. Das ist gerade in unserem Genre eine große Besonderheit. Das liegt an einem hohen Maß an Enthusiasmus, was man in der Regel nicht mit Geld bezahlen kann sondern viel geben muss.

Volkmar (FoH): Was man auch nicht vergessen darf: Bei uns ist alles live gespielt. Da kommt nichts aus der Konserve. Gerade im Genre „Schlager“ ist das nicht selbstverständlich. Und das macht es tontechnisch sehr reizvoll.

Foh- & Monitor-Platz

Nach dem Interview habe ich mir noch den FoH- und Monitoring-Platz sowie die Bühne angeschaut. Den Anfang meiner kleinen Technikrundreise macht der FoH-Mischplatz. Volkmar arbeitet mit einer digitalen Midas Pro2-Konsole. Zum Einsatz kommen reichlich Effekte von den UAD-PlugIns. Der besondere Clou hierbei: Volkmar hat ein selbstentwickeltes MIDI-Master-Programm um die Effekte aufzurufen und zu steuern und das obwohl die PlugIns eigentlich gar kein MIDI können.

So ruft er mit jedem Szenenwechsel im Pult automatisch die zugehörigen Plugins bzw. Effekte mit den richtigen Presets auf. Die PlugIns wurden dahingehend modifiziert, dass sie überhaupt MIDI-Signale verarbeiten können, da sie eigentlich keine MIDI-Schnittstelle mitbringen. Im Internet wurden Lösungsansätze gesucht und via Leute die sich damit schon beschäftigt haben auseinandergesetzt. Und dann ging die Fummelei erst los. In der Linux-Welt wurde Volkmar schließlich fündig. Danach wurde dann jemand gesucht, der das gebastelte Programm für den Mac umschreiben kann. Nach viel Probieren und Experimentieren hat es dann auch geklappt. In der aktuellen Version hat es noch den einen oder anderen Bug, ist also noch nicht zu 100 % sicher, aber es funktioniert schon so gut, dass er damit live arbeiten kann.

Wie schon angedeutet, hat sich die ganze Crew gut vorbereitet: Im Pult werden die Songs beispielsweise so angeordnet, wie sie während der Show gespielt werden. Falls es jedoch eine kurzfristige Änderung gibt, lassen sich die Songs auch manuell im Pult aufrufen. Falls alle Stricke reisen, kann Volkmar auch per Hand regeln. Auch hier ist maximale Flexibilität Programm.

Effekte kommen in großer Anzahl zum Einsatz. Jeder Künstler auf der Bühne bekommt zumindest einen eigenen Effekt. Beim Gesang schwört Volkmar auf Plattenhall da dieser nicht so lange Hallfahnen erzeugt sondern eher etwas dazu macht, was man gar nicht so richtig bestimmen kann. Bei Gitarren hingegen findet er lange Hallfahnen schon gut. Bei den Backing Vocals versucht er diese in den Hintergrund zu mischen und nimmt aus dem Hall tiefe Frequenzanteile raus.

Das Publikum bekommt einen Stereomix, der jedoch nicht zu extrem ist. Hier geht es in erster Linie darum, den Mix transparent und aufgeräumt zu halten. Auf den mittleren Boxen befindet sich wie schon im Interview genannt lediglich die Stimme. Um den Stimmklang zu verfeinern, schwört Volkmar auf einen Rupert-Neve-Preamp sowie einen Distressor für die Dynamikbearbeitung.

Karims Monitorplatz mit der Midas Pro2-Konsole
Karims Monitorplatz mit der Midas Pro2-Konsole

Der Monitorplatz zeigt sich aufgeräumt ebenfalls mit einer Midas Pro2-Console. Zudem steht an Karims Arbeitsplatz zusätzlich die DL251-Stagebox – auch aus dem Hause Midas. Von hier aus werden die Signale an beide Pulte verteilt. Zudem gibt es ein Networkbridge mit einer Dante-Karte von Audinate. Erwartungsgemäß verzichtet Karim bei den Stimmen auf Effekte, was der Signalkontrolle zugute kommt. Auf den Instrumenten hat er jedoch schon mal eine Prise Hall drauf.

Am Monitoringplatz finden sich die Funkstrecken wieder. Insgesamt kommen fünf Sennheiser ew 100 G3-1G8-Drahtlosstrecken zum Einsatz. Linda Hesse hat sogar einen eigens für sie gefertigten Handsender mit mattschwarzem Schaft sowie eingraviertem Logo und Namen. Zum Einsatz kam eine dynamische MMD-935-Kapsel die insbesondere in kleinen Clubs verwendet wird. Auf größeren Bühnen greift sie in der Regel auf eine MMK-965-Echtkondensatorkapsel zurück. Für den sicheren Funkbetrieb werden AD-1800-Richtantennen an einem passiven ASA 1-1G8-Splitter eingesetzt.

Alle Musiker und selbstverständlich auch Linda Hesse setzen auf IEM-Systeme aus dem Hause Sennheiser. Sieben ew 300 IEM G3 im E-Band versorgen die Bühnenakteure mit Stereosignalen. Mit nur zwei AC-3-Antennencombinern (Typ A 2003-UHF) wird der gesamte Bühnenraum zuverlässig mit Signalen versorgt.

On Stage

Mit den AD-1800-Richtantennen werden die Funksignale ideal aufgenommen
Mit den AD-1800-Richtantennen werden die Funksignale ideal aufgenommen

Selbst auf der kleinen Bühne im Night Club schafft es die Crew ein aufgeräumtes Bühnenbild zu erzeugen. Wie schon angedeutet, gibt es hier kaum Schnickschnack, der vom musikalischen Geschehen ablenkt. Die Drums wurden overhead mit zwei MK 4 in AB-Anordnung abgenommen. Mit einem e 902 an der Bassdrum und e 908 D an den Toms zeigte sich Sennheiser in der Überzahl. Lediglich an der Snare kam ein Shure Beta57 und an den beiden Gitarrenamps je ein SM57 zum Einsatz.

Klanglich hat Volkmar nicht zu viel versprochen. Ein äußerst angenehmer und präziser Sound in ordentlicher aber nicht zu aufdringlicher Lautstärke war das Ergebnis. Die L-Acoustics-Stacks übertrugen ein warmes und intensives Klanggeschehen, was die eingangs erwähnte Magie in Clubs voll zur Geltung brachte. Und auch musikalisch gab es nichts auszusetzen: Routiniert aber in bester Laune präsentierte sich Linda Hesse mit ihrer Band und konnte mit eingängigen Melodien zeigen, dass Schlager oder deutsche Mucke auch ohne Playback sehr gut funktioniert.

 

     
  

Weitere Infos über Linda Hesse findest du auf der folgenden Seite:

  
     

 

Letzte Änderung am Dienstag, 10 März 2015 10:29
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de

2 Kommentare

  • Kommentar-Link Markus Beug-Rapp Montag, 16 März 2015 10:46 gepostet von Markus Beug-Rapp

    @Homer: Wie schon geschrieben und vor Ort erlebt, hat alles hevorragend zusammengepasst. Letztendlich sollte es ja nicht um das Equipment, sondern um das Ergebnis gehen. Der Klang war für mein Empfinden genau richtig und die (vermutlich) 250 Fans von Linda Hesse haben auch schön mitgefeiert.
    Aber um deine Frage zu beantworten: Nein, ich empfand es nicht als oversized, sondern als geschickt geplant, wenn man die ganze Tour betrachtet.

    Melden
  • Kommentar-Link homersimpson Donnerstag, 12 März 2015 17:32 gepostet von homersimpson

    ist ein Line Array in einem kleinen Club nicht etwas oversized?

    Melden

Schreibe einen Kommentar

Trage hier deinen Kommentar ein ...