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Bluetone-Festival-Systemtechniker Rüdiger Nürnberg im Interview

„Während der ganzen Veranstaltung haben wir keinen einzigen arbeitenden Limiter in den DSPs gesehen.“

Systemtechniker Rüdiger Nürnberg sprach mit uns unter anderem über seine Arbeit beim Bluetone-Festival. Er betreute das X-Line Advance X2 von Electro-Voice, das unter anderem bei ZZ TOP, Lionel Richie und Revolverheld zum Einsatz kam.

ZZ TOP beim Bluetone-Festival 2015 in Straubing

Auch wenn das Bluetone-Festival erst seit 2012 stattfindet, hat es eine fast 30-jährige Historie. Denn seit 1986 fand das Festival unter dem Namen „Jazz an der Donau“ statt und hat sich rund um Straubing einen respektablen Namen erarbeitet mit bekannten Größen der internationalen Musikszene aus den Bereichen Jazz, Rock und Pop.

Und wenn man sich das aktuelle Line Up anschaut, stellt man fest, dass die bayrische Stadt es auch heuer schaffte die „Großen“ anzuziehen: Dieses Jahr standen nämlich unter anderem ZZ TOP, Lionel Richie und Revolverheld auf der Bühne im Zelt. Aber auch Andreas Bourani mit Adel Tawil (Ich + Ich), Gregory Porter mit dem Buena Vista Social Club sowie Kabarettist Willy Astor begeisterten die insgesamt rund 17.000 Besucher.

Neben den Hauptakteuren bietet das Bluetone-Festival auch eine gastronomische Erlebniswelt sowie Nachwuchsbands und Nachwuchskünstler wie unter anderem Sarah Straub, Radio Haze, oder The Ben Miller Band. An dieser Stelle muss unbedingt die Zusammenarbeit mit BY-on erwähnt werden, die sich in den letzten Jahren sehr bewährt hat. Denn als eingetragener Verein ist für Bluetone die Nachwuchsförderung nicht nur ein satzungsgemäßer Vereinszweck, sondern auch eine Herzensangelegenheit. In diesem Jahr haben drei BY-on Bands die Superstars supportet – Sarah Straub für Lionel Richie, Lokomotor für Andreas Bourani/Adel Tawil und Radio Haze für ZZ TOP.

 

 

Auch technisch passiert an der Donau so einiges: Die ProAudio-Brands Dynacord und Electro-Voice – im Vertrieb von Bosch – verbindet mittlerweile eine lange Geschichte mit dem Festival. Als Premiere installierten sie dieses Jahr unter anderem erstmals als Main-PA das neue X-Line Advance X2 Line-Array von Electro-Voice. Daher sprachen wir mit Systemtech Rüdiger Nürnberg über seine Arbeit beim Festival.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Kannst du etwas zu deiner Person sagen und wie du zur Veranstaltungstechnik kamst?

Systemtechniker beim Bluetone-Festival: Rüdiger Nürnberg
Systemtechniker beim Bluetone-Festival: Rüdiger Nürnberg

Rüdiger Nürnberg: Ich in 40 Jahre alt und bin einen relativ üblichen Weg in die Veranstaltungsbranche gegangen. Es begann mit dem Spielen in einer eigenen Band, dann erste Recordings und Beschallungen. Ursprünglich war ich gelernter Elektriker und habe dann noch eine Lehre als Veranstaltungstechniker gemacht. Noch während der Ausbildung habe ich begonnen als „Freiberufler“ zu arbeiten und bin dann durch Zufall recht schnell an größere Projekte herangeführt worden, die ich im Vorfeld für den Bereich der Tontechnik planen und dann auch durchführen konnte.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Welche Projekte/Veranstaltungen hast du in der Vergangenheit begleitet bzw. betreut?

Rüdiger Nürnberg: Ich habe einen festen Bestand an sich wiederholenden Veranstaltungen, die ich jährlich betreue. Dazu gehören kleinere Industrieveranstaltungen und Galas aber auch genauso große und kleine Festivals sowie das Touring-Geschäft. Zusätzlich reihen sich dann noch alle möglichen anderen Jobs ein.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Gibt es für dich eine typische Arbeitsweise oder Philosophie, was es deine Arbeit angeht?

Rüdiger Nürnberg: Es ist letztlich alles dem Ziel unterzuordnen, den Zuhörern sowie den Künstlern ein möglichst angenehmes Konzerterlebnis zu ermöglichen. Dabei sollte keine Zeit und Mühe gescheut werden, um bestmögliche Beschallungskonzepte so akribisch wie möglich umzusetzen.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Was genau war beim Bluetone-Festival deine Aufgabe?

Rüdiger Nürnberg: Ich bin als Systemtechniker speziell für die PA von Electro-Voice beauftragt. Als es seitens des Veranstalters verlässliche Angaben und Pläne zu der neuen Location gab, begannen wir das Beschallungskonzept zu planen.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Dieses Jahr wurde ja erstmals das neue X-Line Advance X2 eingesetzt: Welche Besonderheiten bietet das System?

Die Main PA betsand je Seite aus 12 EV-X2-212/90-Modulen
Die Main PA bestand je Seite aus 12 EV-X2-212/90-Modulen

Rüdiger Nürnberg: Auch in den letzten Jahren waren beim Bluetone-Festival eigentlich schon immer die entscheidenden Komponenten aus dem EV-Portfolio. Früher wurden XLC-Lautsprecher verbaut und als Subs kamen die Xsubs von EV zum Zuge. Ebenso wurde dieses Festival nun schon im dritten Jahr mit TG7-Verstärkern inklusive RCM-28-Modulen umgesetzt.

Neu war dieses Jahr die Verwendung der Electro-Voice X2 Line-Array-Elemente sowie der neuen Subs. Ebenso wurden ETX-Lautsprecher als Fills für den Nahbereich aus dem EV-Portfolio gewählt. Die X2 bietet eine deutlich bessere Performance als das XLC-System. Die Hochtöner bieten einen deutlich feineren Hochtonbereich und die Mitten tragen – bedingt durch die verbaute Mid-Band-Hydra – viel weiter und ausgeglichener. Im Sub-Bereich ist der neue Subwoofer deutlich lauter als der Xsub und nochmals „knackiger“ und akzentuierter. Ein weiterer Vorteil gegenüber den vorhergegangenen Jahren war die neue „Location“. Wir konnten wesentlich höher bauen und hatten daher erstmalig keine baulichen Einschränkungen.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Wie lange vor der Veranstaltung warst du in die Planung involviert?

Rüdiger Nürnberg: Da es eine Zeitlang ungewiss war, welches Zelt nun wirklich benutzt werden sollte, haben wir „erst“ im Februar begonnen.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Gab es ein übergeordnetes Ziel, was die klangliche Ausrichtung anging?

Insgesamt 24 EV-X12-128-Subwoofer wurden gerichtet als Array angeordnet
Insgesamt 24 EV-X12-128-Subwoofer wurden gerichtet als Array angeordnet

Rüdiger Nürnberg: Naja, das Ziel war natürlich den ganzen Zuschauerbereich gleichmäßig zu beschallen. Wir hatten nach hinten selbstverständlich einen gewissen Pegelabfall, haben diesen aber so gering wie möglich gestaltet. Darüber hinaus hatten wir sicherlich mehr als genug Bass und ebenso genug Pegel aus den Main Arrays. Während der ganzen Veranstaltung haben wir keinen einzigen arbeitenden Limiter in den DSPs gesehen. Im Sub-Array haben wir ein wenig Cardioids eingebaut, um den rückwertigen „Mittelbeam“ auf der Bühne zu reduzieren.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Welche Vorgaben gab es seitens der Veranstalter und seitens der musikalischen Acts an die Beschallungsanlage bzw. die Tontechnik?

Rüdiger Nürnberg: Natürlich die üblichen. Da es aber auch eine längere Zusammenarbeit auf diesem Festival gibt, wird darüber nicht mehr großartig geredet. Man weiß halt, was man aneinander hat. Wir treten dort ja auch nicht an um eine halbgare Beschallung zu präsentieren, sondern um zu überzeugen. Da es Acts unterschiedlichster Musikrichtung umzusetzen gibt, sind wir auf alles vorbereitet.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Gab es in Bezug auf das Zelt besondere Herausforderungen, was es das Beschallungssystem angeht?

Rüdiger Nürnberg: Das Beschallungssystem muss dort ebenso exakt arbeiten wie überall anders auch. Glücklicherweise hatten wir keinen hohlen Zeltboden sondern „standen“ weitestgehend auf festem Boden. Wir haben ein Truss mit Molton hinten in das Zelt gehängt, um die direkte Reflexion der Zeltrückwand zu unterbinden.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Hatten alle Acts eigene Techniker dabei? Wenn ja: Wie lief die Zusammenarbeit ab?

Rüdiger Nürnberg: Die meisten Acts hatten eigene Techniker dabei. Der überwiegende Teil ist auch mit eigenen Pulten angereist. Die Zusammenarbeit läuft hierbei wie gewohnt ab. Viele der Techniker kennt man ja auch schon und weiß ungefähr, worauf sie Wert legen. Mit den anderen kommt man ins Gespräch und ermöglicht alles was sie benötigen. Dadurch, dass der Zeitplan sehr angenehm gestaltet war, konnten wir auf die allermeisten Wünsche eingehen.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Welche Herausforderung gab es, so viele unterschiedliche Acts zu betreuen?

Rüdiger Nürnberg: Es gab dabei nicht wirklich Herausforderungen. Wir waren gut vorbereitet und das System so ausgelegt, dass wir alle gängigen Wünsche erfüllen konnten. Daher gab es nur Kleinigkeiten die bei den unterschiedlichen Acts zu verändern waren.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Hast du uns abschließend noch ein paar Worte zum Monitoring und allgemein zum Sound auf der Bühne?

Rüdiger Nürnberg: Auch hier hatten die meisten Bands eigene Pulte mit. Wir hatten dieses Jahr auf der Bühne relativ wenige Acts, die wir betreut haben. Aber auch dort hatten wir alles was benötigt wurde um jegliche Wünsche zu realisieren. Die Rider wurden im Vorfeld gesichtet und alle unklaren Punkte mit den einzelnen Produktionen geklärt. Da gab es dann dementsprechend auch keine Überraschungen.

 

PA

PA

  • Main PA: 12 Electro-Voice X2-212/90
  • Center cluster: 3 Electro-Voice X2-212/90
  • In and out fill: 4 Dynacord VL-212
  • Front fill: 6 Dynacord VL-262
  • SUB-Array: 24 Electro-Voice X12-128
  • Delay: 12 Electro-Voice X2-212/90
  • Distribution: 1 Electro-Voice N-8000

 

FoH

FoH

  • Console: 1 Soundcraft Vi 6
  • Outboard: Lexicon 960L, Avalon 737


Monitoring

Monitoring

  • Console: 1 Soundcraft Vi 4
  • Wedges: 18 Dynacord CXM 15
  • Sidefill: 2 Electro-Voice Xsub, 2 Electro-Voice Xi-2123
  • Drum fill: 1 Electro-Voice Xsub


 

Letzte Änderung am Donnerstag, 27 August 2015 18:03
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de

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