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NEWS: Ben Burtt über das Sounddesign der Star-Wars-Trilogie

Auf den Spuren des Wilhelm Scream

 

Star Wars: Darth Vader und Luke Skywalker bekämpfen sich

Der „Wilhelm-Schrei“ gehört zu den bekanntesten Geräuschen der Filmgeschichte. In Hunderten von Filmen ist er zu hören, von Indiana Jones über Star Wars bis zur aktuellen Hobbit-Trilogie. Auch in Games wie Grand Theft Auto oder Assassin’s Creed wird er verwendet. Erfinder des „Wilhelm-Schreis“ ist Tonkunst-Legende Ben Burtt.

Es ist jedes Mal derselbe Schrei, recycelt aus einer Klangbibliothek: Luke Skywalkers Lichtschwert erledigt einen Gegner? Aaaaargh! Batman wischt einen Bösewicht zur Seite? Aaaaargh! Eine Riesenameise zerteilt einen Soldaten? Aaaaargh! Immer wieder, seit mehr als 60 Jahren. Allein das YouTube-Medley „Wilhelm Scream Compilation“ zeigt das gespielte Geheule in 152 Szenen.

 

 

Ben Burtt ist eine Legende des Sounddesigns. Manche behaupten sogar, dass der heute 65-Jährige das Berufsbild des Sounddesigners geformt hat, als ihn George Lucas 1977 beauftragte, die Geräuschkulisse für Star Wars aufzunehmen, zu bearbeiten und zu mischen – Jobs, die laut Burtt „ursprünglich ziemlich scharf voneinander getrennt“ waren. Für mehr als 50 Filme hat der Amerikaner seitdem Klangwelten geschaffen und Kunstsprachen entwickelt, von den Körperfressern (1978) über E.T. (1982) bis zu Lincoln (2012). Weltbekannte Geräusche wie das Brummen der Lichtschwerter oder das Fiepen des Droiden R2-D2 sind in seinem Studio entstanden.

 

Star-Wars-Macher wollten natürliche Sounds

Zunächst jedoch machte sich Burtt daran, die Welt der Soundeffekte zu revolutionieren. Vor Star Wars setzten Science-Fiction-Filme auf elektronisches Piepsen, Verzerrer und das ätherische Singen des Theremins. Die Star-Wars-Macher wollten natürliche Sounds: „Weil wir eine visuelle Welt mit Rost und Dellen und Schmutz erschaffen wollten, wollten wir auch eine Klangwelt mit quietschenden Motoren, die nicht still und glatt laufen“, erinnert sich Burtt. „Klänge aus der echten Welt zu verwenden, schafft die Illusion, dass diese Vorstellungen glaubwürdig sind.“

Schon das erste Geräusch, das er so aufnahm, ist heute eine Klang-Ikone: Das Brummen der Lichtschwerter basiert auf dem Summen eines alten Filmprojektors an seiner Fakultät – gemischt mit einem Dopplereffekt, der zufällig entstand, als Burtt ein Mikrofon hinter der Bildröhre eines laufenden Fernsehers herführte. Später lieh Burtt sogar dem Erzbösewicht des Films seine Stimme, oder vielmehr seine Lunge. Als klar wurde, dass aus der lebenserhaltenden schwarzen Rüstung von Darth Vader ein schweres Atemgeräusch ertönen sollte, ging Burtt in den nächsten Tauch-Shop, atmete dort eine Stunde lang durch Tauchmasken und Atemgeräten, und nahm alles auf.

Für das Star-Wars-Universum entwickelte Burtt sogar eigene Kunstsprachen. So sprechen die knuddeligen Ewoks ein Pidgin aus Tibetanisch, Nepalesisch und mongolischem Kalmückisch. Die Sprache der reptilienartigen Hutten hingegen basiert auf der Inka-Sprache Quechua. „Ich schreibe die essenziellen Klänge einer Sprache phonetisch auf“, beschreibt der Designer den Prozess. „Dann arbeite ich mit Schauspielern, die spezielle Sprachtalente haben und nehme sie auf, wenn sie meine Phrasen nachsprechen. Häufig verarbeite und kombiniere ich ihre Sounds mit Tieren, wenn ein solcher Effekt gewünscht ist.“

Nicht alle Geräusche kreiert er selbst. So greift Burtt für manche Kampfszenen auf Warners umfangreiche Klangbibliothek zurück. Er erinnert sich an einen besonders markerschütternden Schrei aus dem 1953er-Western „Der brennende Pfeil“, in dem eine Randfigur namens „Wilhelm“ von einem Pfeil getroffen wird. Der Soundschnipsel stammt ursprünglich aus einem Kriegsfilm und ist katalogisiert als „Mann wird von einem Alligator gebissen und schreit“. Burtt nennt ihn lieber den „Wilhelm-Schrei“ und  setzt ihn exzessiv ein: Bald zieht jeder Fall, jede Explosion, jeder Schuss einen „Wilhelm“ nach sich. Als Burtt in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ ein Cameo als düsterer Oberst der imperialen Armee hat, imitiert er den Aufschrei sogar selbst. In der Szene, in der der Rebell Han Solo (Harrison Ford) ihn mit einer Ladung Dynamit ausschaltet, darf er endlich selber kreischen: Aaaaaargh!

 

Ben Burtt, Sennheiser und Boba Fett

Sennheiser-Richtrohrmikrofone wie das MKH 416 oder MKH 816 waren zur Produktionszeit der ersten Star-Wars-Trilogie weit verbreitet. In Fan-Foren wie „The Dented Helmet“ diskutieren Star-Wars-Kenner noch heute, welche Kunstgriffe sich Burtt damals erlaubt hat – zum Beispiel beim Kostümdesign für den Kopfgeldjäger Boba Fett. Hat Burtt für den Raketenantrieb an den Schienbeinen der Kultfigur auseinandergeschraubte Sennheiser-Mikros aus seinem Fundus verbaut? Die Fans sind davon überzeugt – und kaufen sich alte Sennheiser „Shotgun Mics“ auf eBay, um sich Boba Fetts Kostüm nachzubasteln.

 

Drei berühmte Star Wars-Effekte des Soundmagiers Ben Burtt

R2-D2
Dem bekanntesten Droiden der Filmgeschichte verpasste Ben Burtt eine Stimme, die nur zur Hälfte aus Elektronik besteht. Den Rest der Sounds gewinnt Burtt aus Wasserrohren, Pfeifen – und wieder einmal seiner eigenen Stimme. So hört sich R2-D2 an.

Chewbacca
Han Solos haariger Ko-Pilot kommuniziert mit Grunzlauten, die Burtt aus Tierlauten zusammenstellte. Je nach Situation mischte er auf bis zu sechs Bändern die Geräusche von Walrossen, Schwarzbären, Löwen, Kamelen, Tigern, Dachsen und sogar Kaninchen. So hört sich Chewbacca an.

Lasergewehr
Manchmal mag Burtt es einfach: Die Schüsse aus den Lasergewehren entstanden, indem er mit einem Hammer auf die gespannten Stahlseile einer Antennen-Anlage klopfte. So hören sich die Schüsse aus den Lasergewehren an.

Interessierte können ab sofort mehr darüber in der aktuellen Ausgabe der Sennheiser BlueStage lesen.

Quelle: Sennheiser

 

Letzte Änderung am Mittwoch, 30 Juli 2014 13:48

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