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Interview mit Michael Biwer, Leiter der Prolight + Sound

„Der Veranstaltungsbereich hat sich zu einem hochprofessionalisierten Industriezweig entwickelt.“

Die Prolight + Sound 2015 geht heuer in die 20. Runde. Ab dem 15. April öffnet die Messe Frankfurt für vier Tage ihre Pforten und lädt Musik- und Veranstaltungsprofis zur Musikmesse und Prolight + Sound ein. Wir sprachen mit Michael Biwer, dem Leiter der Prolight + Sound über Trends der Eventbranche und seine Aufgaben für die größte internationale Messe für Veranstaltungstechnik.

Michael Biwer, Leiter der Prolight + Sound

Markus Beug-Rapp (On Axis): Wie und wann bist du zur Prolight + Sound gekommen? Gibt es neben der Prolight + Sound eine weitere Verknüpfung zur Veranstaltungstechnik?

Michael Biwer (Prolight + Sound): Mit Veranstaltungstechnik hatte ich schon früh Berührungspunkte – wenn auch eher passiv als Musiker, Schauspieler und Moderator. Aufgrund meiner Affinität zur Veranstaltungsbranche entschied ich mich für ein Studium im Fach Messe-, Kongress und Eventmanagement, das ich 2003 erfolgreich abschloss. Kurz darauf begann ich meine Laufbahn bei der Messe in meiner Geburtsstadt Frankfurt, zunächst als Sales Manager, seit 2010 als Leiter der Prolight + Sound. Auf die Bühne zieht es mich aber bis heute immer wieder – vor allem als Sänger und Keyboarder. Auch als DJ bin ich seit vielen Jahren aktiv.

Markus (On Axis): Wie bist du in andere Projekte wie zum Beispiel in die Prolight + Sound Shanghai involviert?

Michael (Prolight + Sound): Natürlich finde ich es spannend, wie sich die internationalen Veranstaltungen des Prolight + Sound-Brand in Shanghai, Guangzhou und Moskau entwickeln, und verfolge die Shows sehr aufmerksam. Sie sind in den letzten Jahren nicht nur größer, sondern auch qualitativ hochwertiger geworden und steigern den Stellenwert der Marke Prolight + Sound für die globale Branche. Für die Umsetzung der Auslandsmessen bin ich jedoch nicht verantwortlich – dafür haben wir hervorragende Teams vor Ort, die die jeweiligen Märkte genau kennen.

Markus (On Axis): Gibt es auf der Prolight + Sound eine Veranstaltung, die du besonders ins Herz geschlossen hast oder in sonstiger Weise gesondert erwähnen möchtest?

Michael (Prolight + Sound): Mir liegen alle Teile der Prolight + Sound am Herzen – aber natürlich gibt es auch in diesem Jahr ganz spezielle Highlights. Ein Beispiel ist das Theater- und Filmkolloquium, das in diesem Jahr mit einem besonders hochkarätigen Vortragsprogramm und prominenten Rednern punktet. Zu den Keynote-Speakern zählen der einflussreiche Theater- und Opernregisseur Robert Wilson sowie der renommierte Theater-Experte Andy Hayles. Hayles ist Geschäftsführer von Charcoalblue, einem Beratungsunternehmen, zu dessen namhaften Kunden unter anderem die Royal Shakespheare Company zählt.

Die Prolight + Sound 2015 steht unter dem Motto „Hands on Energy“
Die Prolight + Sound 2015 steht unter dem Motto „Hands on Energy“

Markus (On Axis): Wie bestimmt ihr, was das neue Motto wird und woher kommt die Inspiration für euer Logo?

Michael (Prolight + Sound): Wir haben ein eigenes Marketing- und Kommunikationsteam für Prolight + Sound und Musikmesse, arbeiten aber auch mit externen Agenturen zusammen. Die Inspirationsquellen sind also vielfältig – und natürlich ist auch die Corporate-Design-Abteilung der Messe Frankfurt in derlei Entscheidungen mit eingebunden.

Markus (On Axis): Die Prolight + Sound feiert dieses Jahr 20. Jubiläum: Was habt ihr euch für diesen besonderen Anlass einfallen lassen?

Michael (Prolight + Sound): Für die 20. Ausgabe der Prolight + Sound haben wir das Branchen und Produktspektrum noch einmal erweitert. So bietet die Veranstaltung mit „Stagery“ in diesem Jahr einen eigenen Themenschwerpunkt für Aussteller und Fachbesucher aus dem Bereich der Theatertechnik und -ausstattung. Zudem gibt es weitreichende Optimierungen im Rahmenprogramm. Das betrifft unter anderem die Eventplaza Conference. Die Seminarreihe für die Eventmanagement-Branche findet in diesem Jahr komplett im Portalhaus statt und bietet – neben den spannenden und prominent besetzten Vorträgen – erstmals eine Networking-Lounge. Hier können die Seminarteilnehmer die Referenten persönlich treffen und die Inhalte der Vorträge im Gespräch vertiefen.

Markus (On Axis): Wenn du zurück blickst: Was hat sich in den letzten Jahren in Bezug auf die Veranstaltungsszene geändert?

Michael (Prolight + Sound): Mit der steigenden Komplexität der Projekte hat sich auch die Branche weiterentwickelt. Wo früher noch Rock ’n’ Roll und Improvisation im Spiel war, hat sich der Veranstaltungsbereich zu einem hochprofessionalisierten Industriezweig entwickelt – nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Unternehmen müssen mit höchsten Ansprüchen an Zuverlässigkeit sowie den sich ständig wandelnden technischen und arbeitsrechtlichen Standards fertig werden. Insgesamt ist die Branche noch vielschichtiger und interdisziplinärer geworden: Sie vereint Elektriker, Statiker, IT-Spezialisten, kreative Querdenker und Betriebswirte – oft viele davon in einer Person.

Markus (On Axis): Welche Trends kannst du schon vor der Prolight + Sound ausmachen?

Michael (Prolight + Sound): Wir haben es mit einer Industrie zu tun, die im hohen Maße von Innovationen getrieben ist. Neben offensichtlichen Trends wie 4K, dem LED-Siegeszug und 3D-Mapping ist es vor allem die immer engere Verzahnung von Veranstaltungstechnik, IT und Software, die die Branche vorantreibt. Nur so sind beeindruckende multimediale Präsentationen möglich, wie sie heute nicht nur auf Showbühnen sondern auch bei Produktinszenierungen, Messeauftritten und im Erlebnismarketing zu sehen sind. Im Beschallungsbereich ist zum Beispiel „Networked Audio“ eines der brandaktuellen Themen, das sich in diesem Jahr nicht nur durch Produktinnovationen in den Hallen der Prolight + Sound, sondern auch im Informations- und Seminarprogramm wiederfindet.

Markus (On Axis): Gibt es etwas, was du dir in Bezug auf die Prolight + Sound wünscht? Also so eine Art Herzensangelegenheit?

Michael (Prolight + Sound): Natürlich möchten wir den Stellenwert der Messe als wichtigste Veranstaltung für die gesamte Branche weiter untermauern. Das schaffen wir, indem wir Schritt für Schritt neue Besucher- und Ausstellergruppen gewinnen und das Event-Portfolio weiter ausbauen – so wie in diesem Jahr geschehen. Vor allem ist es aber wichtig, die Zufriedenheitswerte für die Veranstaltung weiterhin auf einem hohen Niveau zu halten. Bei der vergangenen Prolight + Sound gaben 84 Prozent der Aussteller und 98 Prozent der Besucher an, mit ihren Beteiligungs- beziehungsweise Besuchszielen zufrieden oder sogar sehr zufrieden zu sein. Das ist eine hervorragende Basis für weiteres Wachstum der Veranstaltung.

Markus (On Axis): Welche Veranstaltung – außer der Prolight + Sound – faszinierte dich bisher am meisten?

Michael (Prolight + Sound): Ein Event, das einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat, ist das Bürgerfest „25 Jahre Mauerfall“ am Brandenburger Tor im vergangenen November. Ein spektakuläres Ereignis, bei dem die gesamte Bandbreite der Veranstaltungstechnik in perfekter Manier zusammenwirkte – von Licht und Sound bis hin zu Multimedia und Effekten. Dieses einmalige Open-Air-Ereignis erhält auch im Rahmen der Prolight + Sound eine besondere Würdigung: Der Diplomingenieur und Produktionsmanager Marcus Mechelhoff, der für die technische Realisation des Bürgerfestes verantwortlich zeichnete, wird mit dem Opus – Deutscher Bühnenpreis geehrt.

 

Letzte Änderung am Donnerstag, 26 März 2015 13:26
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de

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