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Interview: Josef Max Hajda über die richtigen Keywords und Rechtschreibung

„Der perfekte Rechtschreibfehler“ (Teil 3 von 3)

Im dritten Teil des äußerst informativen Gesprächs mit SEO-Experte Josef Max Hajda bei sich zu Hause verrät er uns, welche Rolle die Keywords bei der Suchmaschinenoptimierung spielen und wie eng man es mit der Rechtschreibung nehmen sollte.

SEO-Experte und Blogger Josef Max Hajda im Interview über Keywords & Rechtschreibung

Markus Beug-Rapp – On Axis: Was würdest du jemanden raten, wenn er sich eine Webseite aufbauen will und eigentlich wenig bis gar keine Ahnung davon hat? Also wie kann er seine Seite vernünftig pflegen und auch suchmaschinenfreundlich gestalten ohne Unsummen ausgeben zu müssen?

Josef Max Hajda: Es heißt ja „Schuster bleib bei deinen Leisten.“ Wenn ich jetzt zum Beispiel Hobbyfotograf bin, komme ich nicht im entferntesten auf die Idee der nächste Pulitzer-Preisträger zu werden. Genauso hol ich mir als Online Marketer nicht einfach eine Gitarre um mich auf die Bühne zu stellen. Deshalb sollte ein Musiker nicht versuchen eine Webseite zu programmieren; es sei denn, es ist eben ein Hobby von ihm.

Unabhängig davon, wie qualifiziert jemand ist um eine Webseite aufzusetzen gibt es einige Dinge zu beachten:

  • Besorge dir eine gute Domain (am Besten so etwas wie www.meinUnternehmensname.de). Vergesse Domains direkt von Wordpress oder ähnlichen kostenlosen Angeboten – damit hast du nur Ärger. Ich empfehle auf Anbieter wie z. B. www.one.com (oder www.udmedia.de [Anm. d. Redaktion]) zurückzugreifen. Die sind vielleicht nicht die Schnellsten was es Performance im Web angeht, haben dafür aber sehr nützliche Tools und einen guten Support.
  • Ich würde als Content Management System (CMS) Wordpress empfehlen. Es ist sehr einfach zu verstehen. Überspitzt behaupte ich mal, dass ich einem gut trainierten Affen Wordpress in drei Stunden beibringe. Ganz grundsätzlich: Verwende ausschließlich ein CMS. Keiner sollte heute noch eine Webseite ohne CMS aufsetzen, das ist viel zu umständlich.
  • Suche dir ein schönes Template. Das ist auch wichtig, was es deinen Inhalt angeht: Da bei einem CMS Inhalt und Layout getrennt sind, kannst du jederzeit das Design deiner Seite ändern ohne deine Inhalte neu aufzusetzen. Templates gibt es übrigens kostenlos oder für ein recht überschaubares Budget.
  • Kaufe dir ein SEO-Grundlagenbuch und beachte die Regeln. In dem Zusammenhang arbeite auch mit der SEO Ranking Studie 2013 (den Link findest du im zweiten Teil des Interviews [Anm. d. Redaktion]).

 

Markus Beug-Rapp – On Axis: Um jetzt abschließend nochmals auf die Keywords zurückzukommen ...

Josef Max Hajda: Stimmt, da war noch was. Keywords sind die Worte, mit denen ich gefunden werden will. Keywords sind ganz generell mein Unternehmensname, meine Marken und meine Produkte. Ganz einfach ausgedrückt gibt es Keywords wie meine Marke und meine Podukte zu denen ich gefunden werden will und es gibt die Suchbegriffe mit denen meine Zielgruppe etwas sucht. Und da kann es eine sehr große Diskrepanz geben.

Manchmal ist es problematisch, da die Marketer sich sehr schlaue Sachen überlegen, die kein Mensch versteht. Ein sehr schönes Beispiel bietet hier Mercedes Benz: Die B-Klasse ist ein Sports Tourer. Und wenn man auf der Straße mal schaut, wer eine B-Klasse fährt, sieht man in diesem Wagen überwiegend Rentner fahren. Aber kein Rentner würde im Internet auf Google nach einem Sports Tourer suchen. Hier ist es wahrscheinlicher, dass er „Hochdachkombi“ oder so was in der Art eintippt. Was zeigt uns das? Das womit ich gefunden werden will und das was die Kunden suchen kann sich sehr stark unterscheiden.

Oder ein anderes Beispiel: Schau dir Tempo an. Da handelt es sich um ein Papiertaschentuch. Aber kein Mensch sagt Papiertaschentuch. Und das hat Tempo sehr gut gemacht. Tempo ist nämlich zum Synonym für Papiertaschentücher geworden. Wenn jetzt also jemand Papiertaschentücher über das Internet kaufen will, setzt er sich an seinen Rechner und tippt in der Regel „Tempo“ ein. Das ist für die Marke Tempo dann natürlich super, da „Tempo“ ganz oben gelistet wird. Wenn ich als die Marke Tempo aber über den Begriff „Papiertaschentuch“ gefunden werden will, ist das um einiges schwerer.

Vor allem, wenn man für einen großen Konzern tätig ist, wird einem gehirnwäschemäßig indoktriniert, dass man nur die „richtigen“ Begriffe zu verwenden hat. Ich als ausgebildeter Veranstaltungskaufmann habe da sogar ein praktisches Beispiel für deine Leser: Ein Musiker sagt zu einem Lautsprecher gerne mal Box. Aber in meinem Betrieb war das ein Lautsprecher – und nichts anderes. Dafür gibt es noch viele weitere Beispiele. Das Ziel ist, dass alle Mitarbeiter für einen professionellen Auftritt ausgebildet werden. Das bringt jedoch alles nichts, wenn jemand nach einer Box bei Google sucht. Wenn ich da nicht über meinen Schatten springen kann, wird das schwierig. Wenn ich dann in eine Keyword-Datenbank „Lautsprecher“ eingebe, wird mir als Ergebnis angezeigt, dass es sich um eine Box handelt sowie weiterer Alternativen. Danach weiß ich erst mal, wonach könnten meine Kunden überhaupt suchen.

In Google AdWords gibt es mir bei den Tools auch gleich noch die Suchanfragen an. Ich sehe dann zum Beispiel die Begriffe „Lautsprecher“ und „Box“ und erkenne, dass es für Lautsprecher beispielsweise 10.000 Suchanfragen im Monat gibt und für „Box“ nur 200, dann weiß ich, dass ich „Box“ ignorieren kann. Wenn das Ergebnis jedoch umgekehrt ist, muss ich wohl oder übel über meinen Schatten springen und das Keyword „Box“ häufiger verwenden. So finde ich überhaupt die Keywords die ich verwenden sollte.

Ich kann aber auch ganz einfach meine Kunden Fragen: „Hey, hier ist mein Produkt: Wie würdest du das beschreiben?“ Und dann sagt der „ist ein Toaster“ und eben kein Brotröster – und damit muss ich mich eben anfreunden. Danach muss ich schauen, dass ich die entsprechenden Keywords unterbringe.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Also ist es wichtig, dass ich das richtige Keyword (z. B. „Box“) mehrfach auf meiner Webseite unterbringe?

Josef Max Hajda: Richtig. Denn Google wird sich schwer tun, deine Seite mit dem Begriff „Box“ in Verbindung zu bringen, wenn du es gar nicht geschrieben hast.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Heißt das dann, ich darf nicht nur an den einzelnen Artikel denken, sondern muss die ganze Webseite mit diesem Keyword füllen?

Josef Max Hajda: Hmmm ... das ist gar nicht so leicht. Vor allem wenn du verschiedene Schreibweisen hast. Einer meiner Kunden bietet beispielsweise E-Zigaretten an. Hier kannst du auch verschiedene Schreibweisen verwenden: z. B. E-Zigarette, eZigarette, E Zigarette, usw. Ein Bindestrich und ein Leerzeichen machen für Google keinen Unterschied, ob du aber das „E“ mit oder ohne Leerzeichen schreibst sehr wohl. Und das Wort Zigarette kommt im Internet halt sehr viel häufiger vor als das Keyword eZigarette. Entweder hast du eine konsistente Schreibweise oder ...

Markus Beug-Rapp – On Axis: ... ja aber verwirrt es nicht den Leser, wenn du für einen Begriff verschiedene Schreibweisen verwendest?

Josef Max Hajda: Ja, aber das ist so ein Begriff, da würde ich eiskalt die eine Hälfte der Webseite mit Bindestrich und die andere ohne Leerzeichen/Bindestrich schreiben. Ich würde das nicht in einem Artikel mischen, sondern je Artikel eine Schreibweise einhalten. Gerade Webseiten-News bieten sich da an, um verschiedene Schreibweisen zu integrieren.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Wie werden Webseitenkommentare in den Suchergebnissen berücksichtigt? Wenn diese relevant sind, könnte man Kommentare ja beispielsweise redigieren.

Josef Max Hajda: Kommentare würde ich nicht anfassen! Ich kann dir auch nicht sagen, wie stark der Einfluss von Comments für SEO ist. Aber das kann schnell missverstanden werden, wenn Kommentare bearbeitet werden. Damit kann man sich die Nutzer schnell vergraulen.

Markus Beug-Rapp – On Axis: Kommen wir zur Rechtschreibung: Soll ich eingebürgerte Wörter wie zum Beispiel „Portrait“ schreiben, wie es nahezu alle schreiben oder soll ich es richtig schreiben – also „Porträt“?

Josef Max Hajda: Wenn du ein Wort falsch schreibst, bekommst du alle Suchenden ab, die es genauso falsch schreiben. Auch da wirst du über deinen Schatten springen müssen. Wenn du es richtig schreibst, bekommst du halt nur die ab, die es auch richtig schreiben. Und von der Schreibweise „Porträt“ bekommt man echt Augenkrebs ;-)

Markus Beug-Rapp – On Axis: Schon klar: dennoch möchte ich ja auch keine falschen Informationen verbreiten.

Josef Max Hajda: An dieser Stelle möchte ich auf den bisher erfolgreichsten Artikel einer meiner Blogs – einem Stadtblog – verweisen: Nein warte, ich fange zunächst mit dem zweiterfolgreichsten Artikel dieses Blogs an. Da ging es um das „Holy Festival“. Und da war einfach die Konkurrenz nicht da. Der Veranstalter selbst hatte keine eigene Webseite, die hatten nur eine Facebook-Seite. Und kein Mensch hat sich für das Holy Festival interessiert, während wir schon eine Woche vor der Veranstaltung darüber geschrieben haben. Und da wir zum damaligen Zeitpunkt sehr viel geschrieben haben wurden wir auch sehr schnell indiziert. Normalerweise hatte der Blog 10.000 bis 12.000 Besucher im Monat. Ich hatte alleine in der Woche des Holy Festivals 12.000 Besucher auf Grund des Artikels. Die Facebook-Seite war damals auf Platz 1 in Google und unser Artikel auf Platz 2. Doch nach dem Festival haben dann viele – wie z. B. die Süddeutsche, der Münchner Merkur, die Nachtagenten, Partygänger uvm. darüber geschrieben. Danach war unser Beitrag in den Suchergebnissen natürlich weg vom Fenster. Solange keine Konkurrenz da ist, bist du halt weit vorne. Und im Umkehrschluss: Je stärker die Konkurrenz, desto schwieriger wird es.

Und nun kommen wir zum erfolgreichsten Artikel des Blogs, der auf einem Rechtschreibfehler beruht: Da ging es um den „Chinesischen Staatscircus“. Die Redakteurin hat das irrtümlicherweise deutsch geschrieben also „Chinesischer Staatszirkus“. Das hatte zur Folge dass wir in Google auf Position 1 gelistet wurden – sogar noch vor der Webseite des „Chinesischen Staatscircus“. Und da sehr viele Leute genauso gesucht haben, wie wir es geschrieben haben, landeten sehr viele der Suchenden auf unserem Artikel. Wir waren damals drei bis vier Monate auf Platz 1 in den Suchergebnissen und haben mit diesem Verschreiber ca. 15.000 Seitenbesucher bekommen. Wäre mir das vorher aufgefallen, hätte ich das nie so stehen lassen, aber in diesem speziellen Fall war das der perfekte Rechtschreibfehler.

Wer sich über Josef Max Hajda genauer informieren möchte, kann das auf seinem Blog „Sag was!“ unter hajda.de.

Hier gehts zu Teil 1 des Interviews mit Josef Max Hajda  Hier gehts zu Teil 2 des Interviews mit Josef Max Hajda

 

 

Letzte Änderung am Dienstag, 08 September 2015 13:08
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de

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