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Kontroverse Geschenkaktion von Apple und U2

Missverstanden oder kalkulierter Skandal?

Kontrovers wird die neueste PR-Aktion von Apple um das U2-Album „Songs of Innocence“ diskutiert. Via iTunes steht das Album schon vor Veröffentlichung ca. 500 Millionen Usern gratis zur Verfügung. Bei einer solchen Reichweite kann es kaum überraschend, dass es kurz darauf massiv Kritik hagelt.

Apple schenkt seinen Usern via iTunes das neue U2-Album „Songs of Innocence“

Im Netz geht es derzeit drunter und drüber, was es das „nette“ Geschenk – des neuen Albums „Songs Of Innocence“ – von Apple und U2 angeht. Derzeit gibt es drei Lager zu dem Thema. Auf jeden Fall hat die Aktion für Musiker etwas Gutes: Musik wird nicht nur von Musikern als Wert wahrgenommen, sondern auch von vielen Konsumenten. Doch der Reihe nach:

Erstens gibt es die Gegner, die U2 unterstellen, dass sie hart arbeitenden Musikern mit der Gratisaktion via iTunes in den Hintern treten. Zweitens gibt es die User, die sich darüber beschweren, dass der Download des Albums automatisch stattfindet. (Hier möchte ich als Apple- und iTunes-User jedoch anmerken, dass zumindest bei mir nichts automatisch von statten ging.) Und zu guter letzt gibt es das dritte Lager, das das Angebot einfach schätzt und danke sagt. Egal wie man dazu steht: neu ist dieses Modell vom Prinzip her nicht wirklich.

Wenn man etwas recherchiert, findet man sehr schnell heraus, dass der Popstar Prince eine ähnliche Aktion mit der britischen Zeitung „Mail On Sunday“ initiiert hat. Auch wenn die Reichweite der Zeitung mit (damals) knapp drei Millionen Exemplaren um einiges geringer ist als die aktuelle iTunes-Aktion mit ca. 500 Millionen Usern, gab es da nicht so ein zweigeteiltes Lager – zumindest hier in Deutschland :-)

 

Nichts Neues

Das Album „After Earth“ von Prince wurde kostenlos einer Zeitung beigelegtPrince begründete die Aktion unter anderem damit, Musik allen zugänglich machen zu wollen, die sie auch hören mögen.In einem Artikel unter Spiegel Online stand unter anderem Folgendes: „Die Plattenfirmen sind selbst schuld. Sie haben aus Künstlern Produkte gemacht, so ist für viele Musik eine wertlose Ware geworden.“ so Prince über die Gratisaktion.

Wie seht ihr das? Sollten Musiker einfach die alten Regeln befolgen und ihre Musik wie alle anderen im Direktvertrieb oder über iTunes & Co verkaufen? Oder sollen sie auch neue Pfade einschlagen dürfen? Evtl. werden durch Künstler wie U2 und Prince neue Wege bereitet, die auch unbekannteren Musikern zugute kommen können; und wenn es nur darum geht, sich Gedanken zum Vertrieb und zum Marketing der eigenen Songs zu machen.

 

Faire Konditionen

Letztendlich wollen ja viele Musiker auch von ihrer Berufung leben können. Daher gehören neue Ideen und Konzepte einfach dazu. Als Beispiele möchten wir auf neuere Modelle wie „Crowd Funding“ oder auch auf Streaming-Plattformen wie Spotify oder YouTube verweisen. Ob Dienste wie Spotify die Künstler fair bezahlen sei an dieser Stelle mal dahingestellt.

Im Falle von YouTube wird es sogar noch spezieller, da das Unternehmen die Künstler bzw. deren Clips gar nicht honoriert – und da stellen die Künstler ihre Produkte meistens selbst der Öffentlichkeit vor. Lediglich über Werbeclips vor und während der Clips hat man als Kanalbetreiber auf YouTube die Möglichkeit ein paar Krümel vom Kuchen abzubekommen.

 

Ein weltweites Publikum

Letztendlich geht es für Musiker unter anderem darum wertgeschätzt zu werden. Und wie könnte man diese Wertschätzung eher zeigen als über den Kauf eines Albums oder eines Tickets für das nächste Konzert? Doch nun kommen wir auch schon zur Kehrseite der Medaille: Konzerte machen in der Regel mehr Spaß, wenn der Laden auch voll ist. Und wie wird er in der Regel voll? Indem wir viele Fans haben. Viele Fans bekommt man in der Regel, wenn man – salopp gesagt – gute Songs hat. Damit auch die restliche Welt weiß wie gut man ist, benötigt es in der Regel ein funktionierendes Marketing. Das Ganze lässt sich so einfach herunterschreiben aber die Umsetzung ist um ein vielfaches schwerer wenn nicht sogar (für viele Musiker) unmöglich zu realisieren.

Trotz Internet und der vermeintlich globalen Erreichbarkeit bleibt der Erfolg – wie früher ohne Internet auch – häufig aus. Doch was tun? Hilfreich kann es sein, einen Marketingplan zu erstellen. Wenn der Plan geboren ist, muss dieser selbstverständlich auch umgesetzt werden. Denn eine gute Idee alleine bringt noch keinen Erfolg. Neben der reinen Aktion sollte euer Plan unbedingt beinhalten, wie ihr ein großes Zielpublikum theoretisch erreichen könnt. Versucht hier aber realistisch zu bleiben. Einen Werbetrailer zu produzieren, der beispielsweise auf Pro7 und RTL in den Werbeunterbrechungen läuft, wird mit großer Wahrscheinlichkeit euren finanziellen Rahmen sprengen. Aber es gibt auch Möglichkeiten (kostenlos und kostenpflichtig) die erfolgsversprechend sind:

 

Maßnahmen zur erfolgreichen PR

Hier können beispielsweise Anzeigen und Reviews in Szenemagazinen hilfreich sein. Aber auch YouTube, Radiosender, TV und andere Plattformen die Musikern eine Bühne geben, helfen die Reichweite zu erweitern. Da Musiker und Bands zahlreich vorhanden sind, gibt es sehr motivierte Acts, die häufig auf ähnliche Mittel zurückgreifen und daher kaum aus der Menge hervorstechen.

Daher ist es letztendlich ratsam, dass ihr eine einzigartige Idee habt, die sich viral verbreiten kann und nicht ein Abklatsch von einer schon erfolgreichen Idee ist. Wobei auch hier gilt: Keine Regel, ohne Ausnahme. Seid kreativ und plant den nächsten ultimativen Flashmob, einen Shadow-QR-Code (verweisend auf eure Musik), den „zufälligen“ Bühnenunfall oder oder oder …

Evtl. muss ich das zuvor Geschriebene zum Thema Regeln befolgen doch etwas revidieren. Daher doch vier Regeln die unbedingt befolgt werden müssen ;-)

  • ihr sollt mit euren Aktionen nicht langweilen
  • seid unberechenbar und überraschend
  • werdet aktiv und setzt eure Pläne um
  • seid entweder richtig gut oder richtig schlecht – (nur so bleibt ihr dauerhaft in den Köpfen der Öffentlichkeit)

 

Um den Kreis zu schließen: Ob man U2 gut findet oder mit der Geschenkaktion via iTunes sympathisiert ist meines Erachtens zweitrangig. Gewiss ist: U2 war eine Weile weg vom Fenster und ist über Nacht in aller Munde, dank eines starken Partners und einer funktionierenden Marketingkampagne. Und zumindest für Apple war die Aktion nicht gratis, wie man diesem Heise-Artikel entnehmen kann. In dem Artikel bezieht Bono mit den folgenden Worten Stellung zum Vorwurf die Musik zu verramschen: „Wir wurden bezahlt. Wir glauben nicht an Gratismusik. Musik ist ein Sakrament.“

Kennt ihr außergewöhnliche Aktionen, die wir hier unbedingt vorstellen sollten? Oder habt ihr gar selber geniale Ideen entwickelt, wie ihr eure Band an den Mann bzw. die Frau gebracht habt? Oder habt ihr eine Grundidee, bei der noch etwas fehlt und ihr Support benötigt? Dann schreibt uns oder kommentiert einfach. Wir freuen uns über jede interessante Idee.

 

Letzte Änderung am Sonntag, 14 September 2014 15:18
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de

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