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Bühnenbild und Lichttechnik bei Helene Fischer

Hoch hinaus

Wir besuchten am 18. Juni die Helene-Fischer-Show in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart. Lichtdesigner Andreas Kisters nahm sich die Zeit um über sein Design und die Herausforderungen zwischen in- und outdoor zu sprechen.

Helene Fischer in der Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart

Helene Fischer gehört zweifelsohne zu den größten Acts der deutschen Musikszene. Trotz des Schlager-Genres ist Helene auch international erfolgreich und bekannt. Dass Helene Fischer mehr als nur Schlager kann, zeigt auch mit wem sie schon alles auf der Bühne stand oder wer ihre Songs interpretierte: Da wäre als Duettpartner Florian Silbereisen zu nennen – schon ganz zu Beginn ihrer großen Karriere. Aber auch eindrucksvolle Duette mit Michael Bolton, Leona Lewis oder Robin Beck zeigen ihr außergewöhnliches Talent und Können auf internationalem Niveau. Samu Haber – Frontmann von Sunrise Avenue – interpretierte beim Bambi ihren bis dato größten Hit „Atemlos“ ganz reduziert nur mit Gesang und Akustikgitarre oder gar mit Helene zusammen den Bon-Jovi-Hit „It´s my Life“.

Nach Millionen verkaufter Tonträger und ausverkaufter Tourneen hat sich Helene Fischer in nur wenigen Jahren an die Spitze deutschsprachiger Künstler hochgearbeitet. Alleine die aktuelle Farbenspiel-Tour ist auf Rekordkurs, da sie sieben Stadien zweimal ausverkauft hat. Wir besuchten das Konzert in der Stuttgarter Mercedes Benz Arena um uns von Lichtdesigner Andreas Kisters die eindrucksvolle Bühne zeigen zu lassen bzw. zu erfahren, was er licht- und contenttechnisch umsetzt.

 

Die Designer um Helenes Farbenspiel

Lichtdesigner Andreas Kisters
Lichtdesigner Andreas Kisters

Andreas Kisters betreut mittlerweile die vierte Tour von Helene Fischer. „Ich bin über die Firma Soundhouse – die als technische Generalvertretung für Helene Fischer gilt – an Bord gekommen. Seit ich dabei bin mache ich eigentlich für Soundhouse alle Tourneen im Schlagerbereich – also mehr oder weniger die komplette Schlagerbranche in Deutschland. Von Helene Fischer über Roland Kaiser bis zu Semino Rossi – also das ganze Schlager-Repertoire.“ so Andreas Kisters zu Beginn des Interviews.

Das Lichtdesign zur aktuellen Stadiontour hat er gemeinsam mit Patrick Woodroffe entworfen. Wobei der Grundstein zum aktuellen Design der vergangenen Indoor-Tour zugrunde liegt. „Die aktuelle Helene-Fischer-Tour heißt ja Farbenspiel: Die erste Inspiration zogen wir daher aus der Natur: denn es kam bei uns die Frage auf, wo findet das schönste Farbenspiel statt? In der Natur! Dementsprechend hat sich das Bühnendesign entwickelt und wir haben die Show in vier Jahreszeiten aufgeteilt.“ erklärt Andreas das Konzept des aktuellen Bühnendesigns.

Das zentrale Element der Bühne ist der riesige Baum, um den sich alles aufbaut: Im Frühling wachsen aus dem Baum zum Beispiel Blüten und im Winter gibt es kalte Winterlandschaften. Im Sommer dann zeigt sich die Bühne in sehr vollen roten und gelben Tönen. So erreicht es das Licht- und Videocontentteam, durch die gesamte Show einen roten Faden zu ziehen.

Bevor überhaupt die Lichttechnik geplant war, stand schon das Bühnendesign. Die Bühne hat Ray Winkler von der Firma Stufish in Kooperation mit Thomas Schmitt von Soundhouse entworfen. „Thomas Schmitt hat sich mit sehr kreativen Ideen ins Bühnendesign mit eingebracht.“ so Kisters über seinen Kollegen bei Soundhouse.

 

„Helene Fischer kann sehr konkret sagen was sie will“

Doch diese Erklärung ist nur die halbe Wahrheit; Helene Fischer selbst ist nämlich auch in diesen Vorgang involviert, wie Andreas mitteilt: „Eigentlich war das ein Gedankenaustausch zwischen Helene und Ray Winkler. Helenes Wunsch war es, einen Baum auf der Bühne zu haben, sie will Blüten auf der Bühne haben, sie will eine Rose auf der Bühne haben. Das war ihr Wunsch, so sollte ihre Bühne aussehen. Sie wollte es nicht zu technisch angehen, was es das Bühnendesign angeht. Sie wollte eher etwas Verspieltes.“

Gemeinsam mit Thomas Schmitt ist Andreas in die Vorbereitung gegangen – das heißt alle Planzeichnungen für die Indoor-Tour, sämtliche Lichtpläne aber auch alle technischen Zeichnungen wurden angefertigt. Auch die ganzen Meetings mit Helene fanden schon sehr früh statt. „Von Helene kommt sehr viel Input, sie kann sehr konkret sagen was sie will. Sie sagt natürlich nicht, wie das umsetzbar ist, was aber auch nicht ihr Job ist. Im Vergleich zu vielen anderen Künstlern ist das schon sehr außergewöhnlich dass sie sich da so kreativ einbringt. Bei anderen kommt evtl. mal während der Probe eine Idee, aber längst nicht so ausführlich wie bei Helene.“ erklärt Andreas.

An den Seitentraversen hängen Sparx10-LED-Washer von JB-Lighting
An den Seitentraversen hängen Sparx10-LED-Washer von JB-Lighting

Zur Umsetzung fährt er fort: „Das Bühnendesign war fertig und da haben wir uns überlegt, wie wir die Deko-Elemente auf der Bühne beleuchten können. Das Lichtdesign ist eher klassisch mit einer Fronttruss, zwei Mitteltraversen und einer Backtruss sowie Seitentraversen. Die Auswahl der Scheinwerfer habe ich mit Patrick getroffen, dass war auch davon abhängig, was uns Satis & Fy zur Verfügung stellen wird. Daher haben wir uns an deren Lagerbestand orientiert, was aber sowieso die üblichen Lampen sind, die gerade benötigt werden. Die restlichen Wünsche wurden von Satis & Fy umgesetzt. Genau wie hier auf der Outdoor-Tour, bei der nur die Mythos von Clay Paky richtig funktionierten. Das hat Satis & Fy dann ermöglicht.“

 

Draußen: alles anders

Wie schon zu Beginn erwähnt, baut die aktuelle Stadiontour auf die vergangene Indoor-Tour auf. Und da draußen unter freiem Himmel gänzlich andere Bedingungen herrschen als in einem dunklen Raum, gab es doch einige gravierende Änderungen, was es das Lichtdesign anbelangt. „Gut 90 % der Show spielen bei Tageslicht und erst die letzten drei Songs sind im Dunkeln. Gerade was es die Beams angeht sieht man erst etwas, wenn die Bühne dunkel genug ist. Daher war uns schnell klar, dass das Licht der Show draußen anders aufgebaut sein muss.“ erklärt Andreas Kisters.

Welche Herausforderung das war, zeigt sich mit den folgenden Worten: „Für mich als hauptverantwortlicher Lichtprogrammierer und -designer war das anfangs nicht ganz leicht, da wir indoor in der Düsseldorfer Arena geprobt haben. Da hat alles perfekt funktioniert sowie auch bei den ersten beiden Testshows – die auch indoor stattfanden. Und als wir dann zum ersten mal draußen waren habe ich ganz extrem gemerkt, dass das alles gar nicht geht. Du siehst bedingt durch das Tageslicht alles, hast eine riesige LED-Wand und siehst zwar eine Menge Helligkeit, stellst aber auch fest, dass das Konzept nicht aufgeht. Denn man hat die Farben einfach nicht mehr gesehen. Dementsprechend sahen auf der Bühne die Tänzer und auch Musiker sehr dunkel aus. Man konnte sie vor der LED-Wand kaum unterscheiden. Dann musste ich sehr viel umprogrammieren und bin sehr viel auf weiß gegangen.“

Nach dieser Nacharbeit bezeichnet Andreas Kisters das Ergebnis nicht mehr als eigenständige Lichtshow, sondern als eine sehr schöne Kombination aus Licht und Content. „Das hatten wir auch schon letztes Jahr versucht, Content und Licht so zu verschmelzen, dass es ein Gesamtbild ergibt. Was uns schon damals wirklich sehr gut gelungen ist. Aber hier ist es noch kompromissloser. Das Licht ist jetzt mehr für die Ausleuchtung der Bühnenacteure zuständig. Die sind jetzt auch wirklich schön beleuchtet. Aber die eigentliche Show findet in Kooperation mit dem Content statt.“

 

Gut Vorbereitet

Nach einer ausführlichen Probezeit vor der Tour steht das Programm fest und wird in der Regel auch nicht mehr verändert. Da die einzelnen Elemente des Contents via Timecode zusammengehalten werden, gibt es nur bedingt Spielraum für Improvisation.

Grundsätzlich sind die Grundbilder durchprogrammiert. Bestimmte Breaks drückt Andreas jedoch von Hand. „Wir fahren die Show zu zweit – also Robert von Ravenstein und ich. Der Robert ist an seinem Wing für das Weißlicht zuständig und steuert die ganzen Blinder. Er macht das gesamte Front-Weißlicht für Helene, die Tänzer und ganz allgemein die Gesichter. Zudem macht er alle Spotrolls. Outdoor haben wir insgesamt acht Follow Spots – sechs von vorne und zwei von der Bühne aus. Das ist schon eine ganz schöne Arbeit.“ so Kisters über die Arbeitsaufteilung am Licht. „Ich kümmere mich dann um die Farben und Effekte und drücke die Breaks manuell über die vorprogrammierten Cues.“

Was man auf Open-Air-Bühnen lichttechnisch nicht vergessen darf, ist auch die Tatsache, dass bedingt durch Wind kaum brauchbarer Haze auf der Bühne möglich ist. Daher spielt outdoor der Content und das eigentliche Bühnenbild eine übergeordnete Rolle.

Aber auch die weiteren Bühnenelemente verlangten einige Überlegungen, was es die Umsetzung angeht: Während der Indoor-Tour wurde für die B-Stage mit dem Laufsteg ein Rig mit Lampen und runden Traversen verwendet. Outdoor gibt es das nicht, da es keine Hängepunkte gibt. Die nächste Möglichkeit zum Hängen sind die Delaytower, die jedoch 60 Meter von der B-Stage entfernt stehen. „Dafür haben wir dann eine Lampe bzw. einen Scheinwerfer gesucht, der es von der Helligkeit schafft 60 Meter locker zu überbrücken. Aber er muss dann noch einen engen und kleinen Fokus bieten, sodass nicht alles – also zum Beispiel das Publikum – ausgeleuchtet wird.“ erklärt Kisters.

 

Hohe Anforderungen an das Material

Was es die Bedingungen an die Lampen für die B-Stage angeht entschied man sich für den Mythos von Clay Paky. Beim Einsatz der 16 Mythos (an jedem Tower) lassen diese zusammen einen extrem engen Fokus mit einem sehr hohen Output zu. „Für mich war klar: entweder den Mythos oder den Supersharpy einzusetzen. Denn ich kannte keine andere Lampe, die jetzt auf 60 bis 70 Meter in die Ferne fokussiert und dabei noch richtig hell macht. Denn wenn man die Iris klein macht, verliert man in der Regel auch richtig Leistung. Und der Mythos geht halt im Zoom so klein. Und da haben wir im Vorfeld mit Satis & Fy Vergleichtests durchgeführt bei denen der Mythos sehr gut abschnitt.“ zeigt sich Kisters überzeugt von dem neuen leistungsstarken Italiener.

Ansonsten wird eine Mischung aus ROBE Robin BMFL Spots und ROBE 2,5er-Washer eingesetzt. Als normale Effekt-Spot-Lampe ist der Pointe von ROBE im Einsatz. Auch das neue LED-Washlight von JB-Lighting, der Sparx10 wird in großer Stückzahl (insgesamt 50) eingesetzt. „Ich suchte ja noch ein LED-Washlight mit einem sehr hohen Output. Denn die Sparx10 hängen auf 14 Meter Höhe und bilden das seitliche Frontlicht für alle Aktionen auf der A-Stage. Da bin ich hochzufrieden mit dem Sparx. Ich benutze die Lampen als reine Washlights und lass keine Effekte drüberlaufen.“ zeigt sich Andreas begeistert.

Helene Fischer wird mit dem Spider-System in die Höhe gezogen
Helene Fischer wird mit dem Spider-System in die Höhe gezogen ...

Was es das Wetter in Stuttgart anging, zeigte sich im Juni reinstes April-Wetter. Die schwäbische Sonne wechselte sich mit kräftigen Regenschauern ab und verlangte dem Equipment aber auch den Akteuren auf der Bühne und den Fans einiges ab. „Wir haben noch eine C-Stage direkt über dem FoH. Und da Helene mit einem Spider-Flugsystem durch die Arena fliegt um auf der C-Stage zu landen, wird auch hier eine eigenständige Lichtanlage benötigt. Wobei erst kurzfristig entschieden wird, ob Helene bei dem Regen auch tatsächlich fliegt um auf der C-Stage einige Stücke unplugged zu spielen.“

Da sie fliegt, kann man folgerichtig auf der C-Stage keine eigenen Türme mit Lampen hinstellen. Aus diesem Grund wurden gasdruckbetriebene Bauten mit Lampen installiert, die nach der Landung hoch fahren. An diesen Bauten werden wegen des schönen Zooms insgesamt acht Sparx10-LED-Washer von JB-Lighting eingesetzt. Was es die Kommunikation angeht, steht Helene Fischer mit dem technischen Leiter Alex Spengler in Kontakt, sodass kurzfristig entschieden werden kann, ob sie nun in Peter-Pan-Manier fliegt oder nicht.

Helene Fischer im wilden Flug durch die Mercedes-Benz-Arena
... damit sie im wilden Flug durch die Mercedes-Benz-Arena düst

Und was soll ich sagen: Helene ist geflogen! In geschätzt 15 bis 20 Meter Höhe saust sie in atemberaubender Geschwindigkeit durch das Stadion über ihre Fans hinweg und vollführt akrobatische Kunststückchen. Als Krönung stürzt sie im freien Fall auf ihre Fans und bremst erst ca. zwei Meter über ihren Köpfen ab. Ein echtes Spektakel, das sichtlich Helene und ihren Fans Spaß macht.

 

Eine Show wie keine andere

Auf die Fragen, was die Arbeit bei einer Produktion dieser Größenordnung so reizvoll macht, kommt ohne große Überlegung die Antwort von Andreas: „Helenes Ausstrahlung! Sie hat es einfach unheimlich drauf zu entertainen. Das ist meines Erachtens nach das Geheimnis ihres großen Erfolgs.“

„Für mich als Lichtdesigner ist es zudem interessant, dass ich nicht – wie bei vielen anderen Tourneen – limitiert bin. Hier ist man sehr offen, was es das Budget angeht. Hier dürfen wir erst mal entwerfen wie wir wollen und danach wird dann darauf geschaut, was geht und was nicht. Aber es wird schon Wert darauf gelegt, eine vernünftige Lichtshow zu bekommen. Aber finanziell gesehen ist Helene schon eine ganz eigene Hausordnung. Wer schafft es denn Stadien teils zweimal hintereinander komplett auszuverkaufen? Im aktuellen Fall werden sieben Stadien zweimal bespielt.“

„Aber auch die technischen Partner sind hervorragend: Satis & Fy hat sich auf diese Tour – wie üblich – sehr gut vorbereitet, was ideale Voraussetzungen für alle bedeutet. Auch die Crew ist sehr harmonisch. Und das Equipment ist sehr gut gewartet. Wer mit Satis & Fy arbeitet weiß, dass da kein runtergenudeltes Material zum Einsatz kommt“, schließt ein hervorragend gelaunter Andreas Kisters das Interview ab.

Was es die Show angeht hat Andreas nicht zu viel versprochen: Alle Jahreszeiten werden auf der Bühne farbtechnisch und emotional umgesetzt. Sehr bunt und teils märchenhaft aber auch zeitweise düster wandelt die Bühne durch ein ganzes Jahr und verwandelt Stuttgart in ein buntes Farbenspiel.

 

Letzte Änderung am Dienstag, 07 Juni 2016 18:04
Markus Beug-Rapp

Chefredakteur On Axis

Vom Berufsmusiker, Tontech und Stimmtrainer zum Schreiberling. Seit 2004 als Musik- und Veranstaltungsjournalist aktiv.

Webseite: www.onaxis.de
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